GRÜNE Energieveranstaltung zum Thema "Steinkohlekraftwerk in Lubmin"
Am Montag, dem 07.04.2008 veranstaltete die Bürgerschaftsfraktion der GRÜNEN zusammen mit den GRÜNEN im Landtag, dem BUND Lübeck, dem Energietisch Lübeck und dem Bund der Energieverbraucher, Regionalgruppe Lübeck, eine Diskussion zur Beteiligung der Stadtwerke Lübeck am Kohlekraftwerk Lubmin.
An der Podiumsdiskussion im Bürgerschaftssaal des Lübecker Rathauses nahmen teil:
Peter Gedbjerg, DONG Vizepräsident und Projektleiter des Kraftwerkes Lubmin;
Professor Frede Hvelplund, Aalborg University, Department of Development and Planning
Dr. Klaus Kühnemann, Bürgermeister von Lubmin
Lars Hertrampf, Pressesprecher der Stadtwerke Lübeck, in Vertretung von Kurt Kuhn, dem Geschäftsführer der Stadtwerke
Detlef Matthiessen, MdL und energiepolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der GRÜNEN im schleswig-holsteinischen Landtag
Die Diskussion um den Neubau von Kohlekraftwerken hat seit unserer letzten Veranstaltung vor einem Jahr zur Beteiligung der Stadtwerke Lübeck an Kohlekraftwerken, so genannten Kraftwerksscheiben, weiter zugenommen. Ebenso die Diskussion um die globale Erwärmung und die sich daraus ergebende Klimakatastrophe. Aber es gibt noch Möglichkeiten, diese abzumildern. Dies wurde zum Beispiel im „Stern“ Report dargelegt. Aber, wenn die mehr als 20 geplanten Kraftwerke gebaut werden, sind alle Bemühungen zur CO2-Reduktion und zum Klimaschutz in Deutschland hinfällig.
Kohlekessel und Dampfturbinen waren „high-tech“ des 19. Jahrhunderts, sind heute aber ohne Zukunft. Als Juniorpartner von DONG wollen die Stadtwerke in Lubmin 30 bis 50 Mio € investieren. Diese riesige Summe wäre besser in modernen, klimaschonenden Anlagen in Lübeck angelegt, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze in unserer „armen“ Stadt zu schaffen. Auch der wirtschaftliche Rahmen für Kohlekraftwerke hat sich im vergangenen Jahr dramatisch verschlechtert. Nicht nur, dass die Kosten für den Neubau von Kraftwerken um 25 - 30% in diesem Jahr gestiegen sind; die Kohlepreise sind geradezu explodiert und Kohle ist am europäischen Markt um 105% teurer als noch vor einem Jahr. In beiden Fällen heißt der Grund China. Alle 2 Wochen geht dort ein neues Kohlekraftwerk an das Netz. Parallel dazu ist aus dem Kohleexporteur ein Kohleimporteur geworden. Dass sich diese Situation jemals wieder entspannt, ist wenig wahrscheinlich. Auch DONG musste übrigens eine Kostensteigerung für das Kraftwerk von einer halben Milliarde Euro (von 1,5 auf 2 Mrd. €) bekannt geben.
Der Tourismus und die Arbeitsplätze dieser Branche in einer ganzen Region am Greifswalder Bodden werden durch das Kraftwerk in Lubmin massiv bedroht .Das flache Boddengewässer reagiert zusätzlich sehr empfindlich auf die Temperatursteigerungen durch die riesigen Mengen Kühlwasser, die eingeleitet werden müssen. Und das Kraftwerk bedroht das Klima durch die gewaltigen Mengen CO2, die in die Luft geblasen werden, und die Umwelt durch Einleitung von Schadstoffen wie Quecksilber in die Atmosphäre. Kein Wunder, dass der Widerstand in der Region heftig ist.
DONG ist ein 100%iges dänisches Staatsunternehmen. Dort produziert DONG 50% des Stroms und 40% der Wärme. Der Bau des Kraftwerks wäre dort unmöglich. In DONG ist durchaus das know-how für klimaschonende Kraftwerke vorhanden. DONG hat diese auch in Dänemark gebaut. Aber in Deutschland wird dies nicht einmal angedacht.
„Kohle für die Zukunft?“ Welche „Kohle“ in welche Taschen? Hat Kohle überhaupt noch eine Zukunft? Sind Kohlekraftwerke eine rentierliche Investition oder entwickeln sie sich zu Investitionsruinen? Ist es recht, dass das Kraftwerk die Lebensgrundlagen einer ganzen Region bedroht? Dies sind nur einige der Fragen, die von dem hochkarätig besetzten Podium beantwortet werden können. Weitere werden auf der Veranstaltung gestellt werden.
Reinhard Lonsing

