27.04.2018

Bezahlbar ökologisch wohnen – ein Widerspruch?

Wohnungen sind knapp in der Hansestadt. Aber Neubauten bedeuten oft, dass es weniger Grünflächen gibt. Können wir beides haben – nachhaltig gebaute, bezahlbare Häuser und intakte Grünräume?

Die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen hat am Mittwoch, dem 25. April drei Fachexperten eingeladen und mit rund dreißig Gästen über diese Frage diskutiert. Bauexperte Arne-Matz Ramcke moderierte die Veranstaltung.

Nachhaltiges Bauen sei kein Luxus, sondern eine Notwendigkei, sagte der Architekt und Immobilienökonom Ralf F. Bode. Er führte mit einem Impulsvortrag in das Thema ein. Das Bauen kostet uns 40 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und verursacht 30 Prozent der CO²-Emissionen und des Resourcenverbrauchs.

Mit seiner Beratungsfirma „Atmosgrad“ unterstützt Bode die Planung nachhaltiger Bauprojekte. Seine Kunden haben utnerschiedliche Auffassungen darüber, was „Nachhaltigkeit“ bedeutet: Es gibt ökologische, soziale und wirtschaftliche Gradmesser dafür. So können Biodiversität, Regenwassernutzung, ein geringer Flächenverbrauch oder der soziale Kontakt unter den Bewohnern besonders wichtig sein.

Den Spagat zwischen Qualität, Ökologie und Preis kennt Tanja Christoff gut. Die Expertin für ökologische Wohnprojekte betreut für die Conplan GmbH Baugemeinschaften in Schleswig-Holstein und Hamburg. „Die Leute müssen sich ökologische Standards auch leisten können“, sagt sie, denn „wir bauen ja für normale Menschen mit normalen Einkommen“. Die Abwägung zwischen Ökologie und Preis gäbe es in den Projekten eigentlich immer. Baugemeinschaften seien aber eine bessere Wahl als Projekte, die über Investoren bezahlt würden, denn diese haben immer ein Interesse, mit geringen Kosten möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. Ökologische und soziale Kriterien spielen selten eine Rolle.

Auch Grünen- Fraktionsvorsitzende Michelle Akyurt sieht dieses Problem. Die Luxus-Bauprojekte in der Hansestadt helfen den meisten Bürgern nicht: „Meistens wird in der Stadt zurzeit hochpreisig gebaut. Es gibt aber viel Bedarf an bezahlbarem Wohnraum.“

Grundsätzlich nachhaltiger als ein Neubau ist die Renovierung älterer Häuser. Dirk Jacob, Professor an der Fachhochschule Lübeck, spricht sich dafür aus, in jede Planung die Situation am Ort einzubeziehen. In der Altstadt verbietet der Denkmal- und Ensembleschutz beispielsweise Außendämmungen und Photovoltaik. „In Altbauten ist der Aufwand für eine Dämmung manchmal viel zu hoch. Dann kann man versuchen, stattdessen Energie und Wärme zu nutzen, die anständig erzeugt wird“. Das bedeutet auch, lokal zu denken: In Norddeutschland gibt es viel Wind, während das Heizen mit Holz eher im Schwarzwald Sinn macht. Es gibt nicht eine Lösung für alles. „Man muss sich die Situation genau anschauen. Eine Idee zu entwickeln und sie dann woanders umzusetzen, funktioniert nicht“.

Ökologisches Bauen muss nicht immer teuer sein. „Für ein gutes Haus braucht man wenig Technik“, sagt Jacob: die Häuser der Zukunft, glaubt er, werden so gut gedämmt sein, dass sie ohne Heizung auskommen. Und gute Baumaterialien, ergänzt Bode, zahlen sich aus: „Häuser zu bauen, die nach zwanzig Jahren wieder baufällig sind, ist nicht nachhaltig“. Auch die Versiegelung von Flächen lässt sich kostengünstig vermeiden. „Wenn man auf ehemaligen Militärflächen oder Industriebrachen baut, verbraucht man keinen ökologisch wertvollen Boden“. Und sie sind deutlich günstiger als das Grundstück auf der Grünen Wiese, das wertvolle Grünflächen vernichtet.

URL:https://www.gruene-luebeck.de/newssingle/article/bezahlbar_oekologisch_wohnen_ein_widerspruch/