15.05.2019

Panzersperren: Zeugnisse des Kalten Krieges

Sie liegen in Doppelreihen vor den Innenstadt-Brücken und sehen aus wie Gullis. Aber obwohl die meisten Lübecker sie täglich sehen, weiß kaum jemand, was die eigenartigen Metalldeckel bedeuten. Die Gullis verdecken Schächte für Panzersperren, die zur Zeit des kalten Krieges einen Einmarsch sowjetischer Streitkräfte in die Stadt verhindern sollten. Nun hat die Denkmalschutzbehörde sie unter Schutz gestellt. Die Grüne Fraktion hatte in einem Kulturausschuss-Antrag auf das Thema hingewiesen.

Zwischen 1978 und 1985 waren diese „Gullis“ ein großes Streitthema in der Stadt. Das Verteidigungsministerium plante, Lübeck nach Osten hin mit einem Netz aus Abwehranlagen zu umbauen, zu denen die Panzersperren in Schlutup und an den nach Osten gelegenen Innenstadt-Brücken gehörten. Glücklicherweise kamen sie nie zum Einsatz. Aber die Gullis über den Trichtern erinnern daran, dass Lübeck einmal die einzige Großstadt an der innerdeutschen Grenze war. Die Möglichkeit eines Dritten Weltkrieg war hier besonders real und existentiell, Angst prägte das gesellschaftliche Klima.

„Die Panzersperren sollen als Mahnmale und Lernorte erhalten bleiben“, sagt Friederike Grabitz, die für BÜNDNIS 90/ Die Grünen den Antrag gestellt hat. „Sie gehören Europa weit zu den wenigen materiellen Zeugnissen des Kalten Krieges und erinnern daran, dass Frieden auch bei uns keine Selbstverständlichkeit ist“.

Fünf der Wehranlagen sind heute ganz oder teilweise erhalten. Besondere Bedeutung haben die Panzersperren am Burgtor, denn „sie gehören zu einem Ensemble von Befestigungsanlagen aus 1000 Jahren“, sagt Dirk Rieger, Wissenschaftlicher Angestellter in der Denkmalschutzbehörde. Trotz des Denkmalschutzes bestehe die Gefahr, dass sie bei künftigen Brücken-Reparaturen entfernt werden, „denn die Anlagen gehören dem Bund“, so Rieger. An der Possehlbrücke wurden sie 2010-2013 bereits entfernt.

Es ist uns wichtig, dass die Hansestadt die geschichtliche Bedeutung der Panzersperren gegenüber dem Bund klarstellt und sich insbesondere vor Brückensanierungen für ihre Erhaltung stark macht. Sie sollen als anschauliche Friedens-Mahnmale an die Bedrohungsszenarien im Kalten Krieg erinnern und für Lübecker und Touristen, Schüler und interessierte Bürger in die historische Bildungsarbeit einfließen. Ein erster Schritt in diese Richtung ist auf Initiative von BÜNDNIS 90/ Die Grünen der Beschluss des Kulturausschusses, am Burgtor Informationstafeln zur Geschichte der Panzerschächte aufzustellen.

URL:http://www.gruene-luebeck.de/newssingle/article/panzersperren_zeugnisse_des_kalten_krieges/