Grüne wünschen sich mehr politischen Willen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele im Städtebau

10.05.22

Der BDA (Bund Deutscher Architekt:innen) hat in den letzten Wochen viele Veranstaltungen zum Thema Nachhaltiges Bauen angeboten. Diese äußerst informativen Veranstaltungen haben einmal mehr deutlich gemacht, welche Möglichkeiten für eine nachhaltige und klimagerechte Stadt verpasst werden, Lösungen für echte Nachhaltigkeit und klimagerechtes Bauen gibt es reichlich, es mangelt in Lübeck am politischen Willen diese auch umzusetzen.

Beim Thema Strukturwandel in der Innenstadt stehen wir vor dem Problem, dass tausende Quadratmeter in Bestlage seit Jahren leer stehen, trotz Wohnungsnot. Eine Umnutzung der ehemaligen Einzelhandelsflächen in Wohnungen gestaltet sich schwierig, weil Hausanschlüsse, Elektrik und Hauseingänge nicht dafür ausgelegt sind. Für die Besitzer:innen ist es oft lukrativer, sie als Spekulationsobjekte leer stehen zu lassen, als Umbaukosten und niedrigere Mieten in Kauf zu nehmen. Hier mangelt es an einer grundsätzlichen Innovationsklausel in der Bauordnung um Experimente bei Nutzungsveränderungen von Immobilien zu ermöglichen. „Wir wünschen uns mehr Umnutzungen und kreativen Umgang mit den Außen- und Freiflächen, wie zum Beispiel in der Beckergrube", sagt Friederike Grabitz, kulturpolitische Sprecherin der Grünen Bürgerschaftsfraktion.

„Die nördliche Wallhalbinsel ebenso wie die Gollan Werft zeigen das Potential von alten Industriestandorten, besonders wenn sie am Wasser liegen. Wir müssen nicht mehr ins Ruhrgebiet schauen, um zu erkennen, dass diese Standorte stadtbildprägend, ihre kreative Umnutzung eine kompakte Stadt mit kurzen Wegen erzeugt und sie somit soziale und wirtschaftliche Vorteile bieten.“ kommentiert Mandy Siegenbrink, wirtschaftspolitische Sprecherin und stellv. Fraktionsvorsitzende der Grünen Bürgerschaftsfraktion. 

Die Projektgruppe Initiative Hafenschuppen (PIH) hat in einem jahrelangen Prozess erwirkt, dass das einzigartige Ensemble der Hafenschuppen nun doch in den Grundstrukturen erhalten bleibt und zu einem lebendigen Ort mit einzigartiger Atmosphäre wird. Die Entscheidungsträger:innen unserer Stadt sollten Ihnen auch zuhören, wenn es um die Umsetzung von nachhaltigen Ideen für dieses Quartier geht.Längst müsste allen Beteiligten klar sein, dass es ohne radikale Abkehr von der bisherigen Bauweise und hin zu echter Nachhaltigkeit nicht möglich sein wird, die Klimaziele zu erreichen.

„Wenn wir unsere Wohnfläche nur um 10% verringern, hätten wir ein Vielfaches der Klima-Effekte, als wenn wir überall neue Passivhäuser schaffen würden.“ sagt Architekt Dietmar Walberg. Heute bewohnen die Menschen knapp 50 qm pro Person, 1960 waren es noch 20 qm pro Person. Insbesondere im Alter leben die Menschen auf zu viel Wohnfläche. Wir müssen Angebote schaffen, um Menschen einen Anreiz zu geben, im Alter aus ihren nun zu großen Häusern in kleinere Wohnungen zu ziehen oder Wohngemeinschaften zu gründen, damit in den Häusern vorrangig Familien mit mehr als 2 Personen leben können. Abriss und Neubau darf nicht kostengünstiger sein als die Sanierung von Häusern solange es nicht auch klimafreundlicher ist. Wir müssen verdichten statt neu zu versiegeln.

Stadtplaner:innen und Architekt:innen arbeiten an Lösungen, die keine Utopie mehr sind, sondern vielfach in anderen Städten und Kommunen schon umgesetzt werden. Damit auch in Lübeck solche ambitionierten Projekte wie zum Beispiel komplett klimaneutrale Quartiere umgesetzt werden können, ist politisches Umdenken erforderlich. „Wir müssen mit weniger  Fläche für Wohnungen und Quartiere auskommen, den Stadtraum und den Straßenraum flexibler aufteilen, verdichten statt immer neue Flächen zu erschließen“ resümiert Silke Mählenhoff, umweltpolitische Sprecherin und Fraktionsvorsitzende der Grünen Bürgerschaftsfraktion, „damit gewinnen wir Aufenthaltsqualität und eine lebendige Stadt bei gleichzeitiger echter Nachhaltigkeit.“

Kategorie

Fraktion Kultur und Denkmalpflege Silke Mählenhoff Stadtplanung und Baupolitik