Psychische Gesundheit in Corona-Zeiten: GRÜNE Fraktion diskutiert Lösungen mit Experten:innen und Betroffenen

Mehr als 18 Millionen Bürger:innen sind jährlich in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen. Die Corona Pandemie hat ein schon dramatisches Bild noch verstärkt. Umso wichtiger ist es, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und nach Lösungen zu suchen. Am Montag diskutierte die GRÜNE Fraktion Lübeck in einem Webinar zusammen mit Expert:innen und Betroffenen konkrete Lösungsansätze für eine bessere Versorgung und Krisenintervention.

Mehr als 18 Millionen Bürger:innen sind jährlich in Deutschland von einer psychischen Erkrankung betroffen. Die Corona Pandemie hat ein schon dramatisches Bild noch verstärkt. Umso wichtiger ist es, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu tragen und nach Lösungen zu suchen. Am Montag diskutierte die GRÜNE Fraktion Lübeck in einem Webinar zusammen mit Expert:innen und Betroffenen konkrete Lösungsansätze für eine bessere Versorgung und Krisenintervention.

Nachdem es im Oktober in einer öffentlichen Fraktionssitzung der GRÜNEN um die Feststellung der aktuellen Versorgungssituation ging, widmeten sich die geladenen Gäste und Zuhörer:innen nun der konkreten Lösungssuche. Moderiert wurde die Veranstaltung vom GRÜNEN Fraktionsmitglied Simone Stojan. 

Als Angehörigenvertreter war Rüdiger Skule-Langbehn geladen. Er wolle in seiner Funktion seine eigenen Erfahrungen weitertragen. Angehörige, so Skule-Langbehn, spüren am ehesten wenn sich bei Betroffenen etwas verändert. Es müsse vor allem mehr niedrigschwellige Angebote geben, auch der Einsatz von zusätzlichen ausgebildeten Streetworkern sei eine Option. Wichtig sei zudem eine 24stündige Erreichbarkeit des Krisendienstes, wobei hier insbesondere das Angebot des sozialpsychiatrischen Dienstes als positiv für die Versorgung am Tag benannt wurde. Die Einrichtung einer zentralen Notfallnummer 113 wurde als Lösung diesbezüglich favorisiert.

Um die Wahrnehmung der Thematik in der Bevölkerung zu verbessern würden zudem flächendeckende Aufklärungskampagnen Abhilfe schaffen können.

Als weiteres wichtiges Element wurde der Einsatz von Genesungsbegleiter:innen gesehen. Bianca Rudloff, selbst als solche tätig, bemängelte allerdings, dass es in Lübeck derzeit lediglich 2 Genesungsbegleiter:innen gäbe und die Ausbildung könne derzeit nicht lokal stattfinden. Hierfür sei es nötig, die Ausbildungsstrukturen zu schaffen und Finanzierungsmodelle zu entwickeln.

Für Bruno Hönel, Bürgerschaftsmitglied der GRÜNEN und Mitglied des Bundestags, besteht das Kernproblem in der fehlerhaften Bedarfsplanung der Kassensitze für Therapeuten. Derzeit kämen auf 215.000 Lübecker Bürger:innen 115 niedergelassene Therapeuten. Gemäß der ursprünglichen Bedarfsplanung gäbe es somit eine Überversorgung in Lübeck, wodurch sich auch keine neuen Psychotherapeut:innen niederlassen könnten. Dies sei ein völlig überholtes Berechnungssystem, so Hönel. Derzeit betrage die durchschnittliche Wartezeit auf einen Therapieplatz in Lübeck 22 Wochen. Von einer Überversorgung könne also keine Rede sein. Vielmehr müsse die Bedarfsplanung dringend auf Bundesebene reformiert werden. Das Thema “Psychische Gesundheit” sei leider weiterhin bei vielen Politiker:innen nicht priorisiert.

Mit einer öffentlichkeitswirksamen Idee konnte Thomas Mann, Leiter der ambulanten Krisenintervention der Brücke, aufwarten: er machte sich stark für einen Kongress zur psychischen Gesundheit. Dieser könnte öffentlichkeitswirksam im Lübecker Rathaus stattfinden und als Austausch- und Informationsveranstaltung für alle Akteure dienen. Vergleichbare Kongresse würden bereits erfolgreich in den Rathäusern von Berlin, Neukölln und Kiel veranstaltet. 

Auch betroffene Personen meldeten sich zu Wort. Deutlich wurde hier der Wunsch nach einer besseren Aufklärung des direkten Umfeldes. Nachbarn und Freunde seien oft erste Vertrauens- und Ansprechpersonen und bräuchten sowohl Informationen als auch Unterstützung im Umgang mit psychischen Krisen von Angehörigen und Freund:innen. Dies gelte auch für Polizisten, schließlich seien diese oftmals die ersten Einsatzkräfte vor Ort in akuten Krisensituationen. 

Simone Stojan, Fraktionsmitglied und jugendpolitische Sprecherin, zeigte sich abschließend zufrieden mit den Ergebnissen der Diskussion:

„Wir haben uns sehr über den intensiven Austausch gefreut. Erneut hat sich gezeigt, welche gesellschaftliche Relevanz dieses Thema hat. Aber wir sehen auch immer noch, dass dies nicht im Verhältnis mit der grundsätzlichen Präsenz der Thematik steht. Hier müssen wir mehr tun. Es braucht eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit – auch der Medien, um die Sichtbarkeit des Themas auf allen Ebenen zu erhöhen. Letztendlich müsse das Thema auch in den Fokus der Politik gerückt werden. Hier gibt es dringenden Nachholbedarf. Die seit langem schon unzureichende Versorgung psychisch Erkrankter bringe viele Folgeprobleme nach sich. Darüber hinaus haben sich in diesem Webinar diverse konkrete Lösungsansätze herauskristallisiert: eine bessere digitale Vernetzung der Akteure, mehr niedrigschwellige Angebote, eine 24-Stunden-Hotline, eine Reformation der Bedarfsplanung, eine frühzeitige Aufklärung auch schon für Kinder und Jugendliche sowie der Einsatz von Schulpsychologen mit weitreichender Vernetzung. Es gibt viel zu tun für uns.“

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung steht ab sofort bei YouTube zur Verfügung und kann dort kostenlos und ohne Registrierung a angesehen werden: https://youtu.be/d7vJVNqihJk

Kategorie

Bruno Hönel Fraktion Gesundheit und Sport