Zu wenig Ladesäulen: Lübeck weit hinter Plan und hinter anderen Städten

Eine gut ausgebaute Ladeinfrastruktur ist ein wichtiger Baustein der unumgänglichen Verkehrswende. Für Menschen ohne Parkmöglichkeiten auf dem eigenen Grundstück ist eine gute Versorgung von E-Ladesäulen im öffentlichen Raum essentiell für die Möglichkeit, ein E-Auto fahren zu können. Ein aktueller Bericht des NDR zeigt nun leider deutlich, dass Lübeck hier im Vergleich der norddeutschen Städte sehr schlecht abschneidet. Die Anzahl der öffentlichen Ladesäulen in Kiel ist mehr als doppelt so hoch, selbst in den deutlich kleineren Städten Flensburg und Neumünster gibt es mehr Ladesäulen als in Lübeck. Und vor allem: der Ausbau in Lübeck liegt sehr deutlich hinter den von der Bürgerschaft beschlossenen Zielen.

Hierzu erklärt Arne-Matz Ramcke, stv. Fraktionsvorsitzender und verkehrspolitischer Sprecher der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion:

Arne-Matz Ramcke, stv. Fraktionsvorsitzender & verkehrspolitischer Sprecher

„Die Zahlen aus dem Bericht des NDR zeigen deutlich, dass wir in Norddeutschland beim Ausbau des Ladenetzes noch viel zu tun haben. Aber vor allem für Lübeck sind die Zahlen erschreckend. Während es in Lübeck erst 177 öffentliche Ladesäulen gibt, sind es in Kiel mit 397 bereits mehr als doppelt so viele. Auch in Neumünster und Flensburg gibt es mehr Ladesäulen als in Lübeck. In Lübeck kommen auf einen öffentlichen Ladepunkt 11 E-Autos. In Kiel, Neumünster oder Flensburg sind es nur halb so viele Fahrzeuge. Auch in Hamburg, Bremen, Rostock, Hannover und Osnabrück ist die Abdeckung deutlich besser. Diese Zahlen sind alarmierend. Der Ausbau des Ladenetzes muss mit der dynamischen Entwicklung auf dem Markt der E-Mobilität mithalten. Lübeck droht hier den Anschluss zu verlieren. 

Der aktuelle Bestand von nur 177 öffentlichen Ladepunkten in Lübeck liegt zudem auch deutlich hinter den von der Bürgerschaft beschlossenen Ausbauplänen, die bereits bis Ende 2021 300 öffentliche Ladesäulen vorsahen. Wir GRÜNE hatten beantragt, bis Anfang 2023 insgesamt 600 Ladepunkte zu schaffen, um bis 2030 die notwendige Anzahl von 2.700 Ladepunkten zu erreichen, die den bundesweiten Ausbauplänen entsprechen würde. Dieser Antrag scheiterte am Veto der Groko und das Ziel wurde auf 475 heruntergesetzt. Aber selbst dieses nicht sehr ambitionierte Ziel der Groko wurde mit – Stand Herbst 2023 – lediglich 177 Ladepunkten deutlich verfehlt.“ 

Dr. Axel Flasbarth, Co-Fraktionsvorsitzender, ergänzt:

„Die Versorgung von E-Ladesäulen im öffentlichen Raum ist eine zentrale Klimaschutzaufgabe der öffentlichen Hand, ohne die ein zügiger und flächendeckender Umstieg auf E-Mobilität nicht möglich ist. Wir sind sehr enttäuscht darüber, dass wir in Lübeck bei dieser zentralen Klimaschutzaufgabe der öffentlichen Hand so sehr hinter dem zurückliegen, was unsere Nachbarstädte leisten und was wir als Bürgerschaft beschlossen haben.

Dr. Axel Flasbarth, Fraktionsvorsitzender

Im Übrigen ist es inzwischen so, dass in der Summe aus Anschaffungs- und Betriebskosten E-Autos günstiger sind  als herkömmliche Benzin- und Dieselfahrzeuge. Ein Trend, der sich durch zunehmende CO2-Besteuerung immer mehr verstärken wird. Ein schnellerer Ausbau der Ladesäulen hilft also nicht nur beim Klimaschutz, sondern würde auch immer mehr Lübecker*innen die Möglichkeit geben, von diesen geringeren Mobilitätskosten profitieren zu können.

Wir müssen daher beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in Lübeck endlich vorankommen. Bei dem derzeitigen Tempo werden wir die Vorgaben der Bundesregierung und unsere Klimaziele in Lübeck deutlich verfehlen. Die Zulassungszahlen für E-Autos sind in Folge der Förderungen und der inzwischen relativ günstigen Kosten für Anschaffung und Unterhalt enorm gestiegen. Diese Entwicklung war also absolut zu erwarten. Das löchrige Lübecker Ladenetz kann derzeit jedoch nicht mit den steigenden Zulassungszahlen mithalten.

Die Stadt muss die vom Bund bereitgestellten Gelder konsequent nutzen, die Flächenplanung muss angepasst werden, wir müssen bürokratische Hürden abbauen und die digitale Infrastruktur so ausbauen, dass privaten Unternehmen der Einstieg in den Markt erleichtert wird. Hierfür brauchen wir Ladeinfrastrukturmanager*innen, die den lokalen Blick auf den Ausbau haben. All dies wird dringend benötigt, um unsere Rückstände ggü. anderen und ggü. dem Notwendigen zügig aufzuholen. Es muss eine Selbstverständlichkeit sein, dass wir unsere selbstgesteckten Ziele einhalten. Andere schaffen es auch.“

Die Auswertung des NDR ist hier zu finden: 

https://www.ndr.de/nachrichten/info/Ladestationen-So-loechrig-ist-Netz-fuer-Elektroautos,ladestationen112.html