Pressemitteilung

GRÜNE Lübeck: Kleine Kulturorte brauchen Raum

Nach einem Vorfall im Zusammenhang mit dem Hüxstraßenfest hat die Stadt der Cafébar in der Hüxstraße weitreichende Auflagen erteilt – darunter ein vollständiges Verbot von DJ- und Livemusik sowie von Musikbeschallung nach 22 Uhr. Hier stellt sich trotz der Vorgeschichte die Frage der Verhältnismäßigkeit. Die Betreiberin der Cafébar sieht darin eine Einschränkung ihres seit Jahren bestehenden Veranstaltungsbetriebs und geht rechtlich gegen die Entscheidung vor. Gleichzeitig zeigt der Fall exemplarisch das Spannungsfeld zwischen dem berechtigten Schutz von Anwohner*innen vor Lärm und dem Erhalt einer vielfältigen, lebendigen Innenstadt, in der auch kleine Kulturorte und Betriebe ihren Platz haben. 

Sophia Marie Pott, kulturpolitische Sprecherin der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion, erklärt:

„Eine lebendige Innenstadt braucht nicht nur Wohnungen und Geschäfte, sondern auch Orte für Kultur, Musik und Begegnung. Der Fall der Cafébar in der Hüxstraße wirft deshalb aus unserer Sicht die Frage auf, ob die Stadtverwaltung beim Umgang mit Lärmkonflikten das richtige Maß findet: Der Schutz der Anwohner*innen ist selbstverständlich notwendig, gleichzeitig müssen verhältnismäßige Lösungen möglich bleiben, damit kleine Kulturorte nicht durch weitreichende Auflagen ihre Grundlage verlieren. 

Gerade Orte wie die Cafébar ermöglichen es (jungen) Künstler*innen, vor Publikum aufzutreten, neue Formate auszuprobieren und überhaupt sichtbar zu werden. Lübeck verliert seit Jahren Orte, an denen abends Kultur stattfindet und Menschen zusammenkommen können. Wenn immer mehr kleine Bühnen, Bars und Veranstaltungsorte verschwinden oder in ihren Möglichkeiten eingeschränkt werden, betrifft das nicht nur einzelne Betriebe. Es geht um die Frage, wie lebendig unsere Stadt sein soll. 

Nachtleben ist Kultur. Es ist ein Standortfaktor für junge Menschen und zugleich ein wichtiger Teil der lokalen Wirtschaft. Gerade deshalb müssen wir politisch darauf achten, dass die verbliebenen Orte nicht nach und nach verloren gehen. Wir brauchen Regeln und Rücksichtnahme, aber ebenso den politischen Willen, kulturelles und gesellschaftliches Leben in der Innenstadt möglich zu machen. Wir wünschen uns daher in dieser Sache eine Lösung mit Augenmaß, die die Interessen der Nachbarschaft ernst nimmt und zugleich kulturelles Leben weiterhin möglich macht.“

Mandy Siegenbrink, Co-Fraktionsvorsitzende der Lübecker GRÜNEN, ergänzt:

„Eine lebendige Innenstadt lebt nicht nur von Wohnungen und Einzelhandel. Bars, Cafés, Kneipen, Clubs, Theater, Kinos, Konzertsäle und kleine Kulturorte schaffen Begegnung, Urbanität und Atmosphäre – und machen eine Stadt gerade auch am Abend attraktiv und lebenswert.

Gleichzeitig bringt diese Lebendigkeit unvermeidbar Nutzungskonflikte mit sich: Wo Menschen abends und nachts zusammenkommen, entsteht auch Lärm. Anwohner*innen haben ein berechtigtes Interesse an Ruhe und Schutz vor Lärm, während Gastronomie, Kultur und Nachtleben auf Freiräume und eine gewisse Toleranz angewiesen sind.

Für uns besteht die Herausforderung darin, nicht eine Seite gegen die andere auszuspielen. Eine attraktive Stadt braucht sowohl Orte zum Wohnen und zur Ruhe als auch Orte für Begegnung, Kultur und Nachtleben. Entscheidend ist, Wege zu finden, wie beides miteinander funktionieren kann. Gelingen kann dies durch gegenseitige Rücksichtnahme, kluge Stadtplanung, geeigneten Lärmschutz und einen offenen Dialog zwischen Anwohner*innen, Gastronomie, Kultur, Verwaltung und Politik. 

Die Diskussion um die Cafébar ist nicht nur kulturpolitisch relevant, sondern betrifft ebenso Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung. Wenn wir eine vielfältige und lebendige Innenstadt wollen, müssen wir Rahmenbedingungen schaffen, unter denen Gastronomie, Kultur und Nachbarschaft miteinander funktionieren können.“