Pressemitteilung

Dramatische Zahlen im Lübecker Einzelhandel – “Weiter so” ist keine Option

14 Prozent weniger Umsatz in 2025, 20,5 Prozent Leerstand und sinkende Passantenfrequenzen: Die Entwicklung der Lübecker Innenstadt ist alarmierend. Aus Sicht der GRÜNEN Bürgerschaftsfraktion erfordert dieser wirtschaftliche Umbruch ein deutlich zügigeres und umfassenderes Handeln bei der Weiterentwicklung der Innenstadt. Ein “Weiter so” ist keine Option. Die GRÜNE Fraktion wird sich daher intensiv mit der Zukunft der Innenstadt beschäftigen und den Austausch mit relevanten Akteurinnen und Akteuren aus Handel, Kultur, Wirtschaft und Stadtgesellschaft suchen.

Dr. Axel Flasbarth, Co-Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN Fraktion:

„Die Zahlen des kürzlich vorgestellten Einzelhandelsmonitors sind ein alarmierender Weckruf, den die Hansestadt nicht länger überhören darf. Eine Leerstandsquote von 20,5 Prozent im Jahr 2025 nach bereits 13,4 Prozent im Jahr 2024 ist eine verheerende Entwicklung. Auch die Umsatzentwicklung ist dramatisch. In 2025 sind die Einzelhandelsumsätze in Lübeck mit -14% stärker zurückgegangen als in den Corona-Jahren. Und auch im bisherigen Verlauf von 2026 scheint sich der Rückgang leider fortzusetzen. Dieser durch allgemeine Konsumzurückhaltung und den Trend zum Online-Handel getriebene Rückgang betrifft sowohl die Innenstadt als auch die Standorte auf der grünen Wiese in ähnlichem Ausmaß. Aber für die Stadtentwicklung ist der Nachfragerückgang in der Innenstadt natürlich ungleich folgenreicher.

Ein solcher, sich beschleunigender Umbruch erfordert auch ein konsequentes Handeln. Es ist nicht so, dass Lübeck bisher untätig war. Aber es ist auch klar: Ein “Weiter-so” im bisherigen Tempo ist keine Option mehr. Sonst droht eine Abwärtsspirale aus Leerstand, weniger Attraktivität und noch weniger Besucher*innen.

Vieles von dem, was zu tun ist, ist lange klar. Im Rahmenplan Innenstadt haben wir mit breiter Bürger*innenbeteiligung 2019 einen Fahrplan festgelegt. Lübecks Innenstadt braucht mehr Aufenthaltsqualität, mehr Grün und mehr Bäume, mehr Orte für Begegnung und für Kunst und Kultur und weniger Durchgangsverkehr. Menschen kommen nicht nur zum Einkaufen in die Innenstadt – sie kommen, wenn es dort etwas zu erleben gibt und sie sich gerne dort aufhalten. Die Rezepte sind klar, Konzepte und politische Beschlüsse liegen lange vor, aber es hapert an der Umsetzung. Der Umbau der Beckergrube ist eine vielversprechende Verbesserung. Aber als einziges Projekt, das bisher aus dem Rahmenplan seit 2019 in der Altstadt begonnen wurde, ist es viel zu wenig. Das wollen und müssen wir in Lübeck forcieren.

Es gibt aber für viele Orte auch noch konzeptionelle Arbeit zu leisten. Der Koberg ist ein wunderschöner Platz, mit dem so viel mehr gemacht werden könnte. Temporäre Bepflanzungen im Sommer sind ein sehr guter erster Schritt, aber nicht das, was einen nachhaltig belebten Platz schafft. Klingenberg und Sandstraße sind nur wenig einladend. Die Königsstraße könnte eine Wohlfühleinkaufstraße sein, im Moment schlendert dort niemand wirklich gerne lang. Die Hüxstraße am Samstag zeigt, welches Potential noch in den Rippenstraßen steckt. Und Holstentorplatz und Holstenstraße sollten ein angemessenes Entrée in die Altstadt bilden. Die Liste lässt sich fortsetzen.

Lübecks Innenstadt hat unfassbar viel Potenzial. Das Problem ist nicht, dass wir keine Stärken hätten – wir rufen sie nur seit Jahren nicht konsequent genug ab. Aber der bisherige Ansatz der Innenstadtentwicklung ist für die Breite und den zeitlichen Druck der Herausforderungen zu langwierig und zu teuer. Wir brauchen einen neuen Ansatz, der mutiger ist, schneller und kostengünstiger. Aus anderen Städten lernen wir, wie mit ebenfalls begrenzten Mitteln deutlich schneller und deutlich mehr umgesetzt wird. In Vorbildstädten wie Mailand und Paris sehen wir, wie es gehen kann, aber auch nicht weit von Lübeck in Hannover sehen wir in kurzer Zeit sehr viele Fortschritte. Daher wollen wir Grüne uns diesen konzeptionellen Herausforderungen stellen, den Rahmen- und Aktionsplan Innenstadt weiterdenken und uns an den Ansätzen orientieren, die woanders so erfolgreich funktionieren und zügig umgesetzt werden. “

Sophia Marie Pott, kulturpolitische Sprecherin der GRÜNEN Fraktion:

„Das Projekt Übergangsweise hat viele wichtige Ideen aufgezeigt. Aber ein nur befristet gefördertes Leuchtturmprojekt ersetzt keine dauerhafte Innenstadtentwicklung. Der gerade vorgelegte “Aktionsplan Innenstadt” ist ein erster guter Versuch zur Verstetigung, es mangelt aber an Projekten, die fortdauern und bleibt aus unserer Sicht zu unverbindlich und zu stark in der Analyse. Was uns fehlt, sind konkrete Maßnahmen – auch städtebaulich – und deren Finanzierung, Priorisierung und zeitliche Umsetzung.

Wir setzen daher als Fraktion jetzt eine Taskforce ein und wollen uns in den kommenden Monaten intensiv damit beschäftigen, wie eine echte Antwort auf die wirtschaftlichen Umbrüche aussehen sollte, die wir in der Innenstadt beobachten. Unser Ziel ist es, Maßnahmen für die kommenden Jahre zu entwickeln, die sich an der finanziellen Situation der Hansestadt, dem Veränderungsbedarf und dem Handlungsdruck der wirtschaftlichen Entwicklungen orientieren.

Wir wollen mit den Menschen ins Gespräch kommen, die täglich mit der Innenstadt arbeiten und leben – mit Händler*innen, Gastronomie, Kulturschaffenden, Eigentümer*innen, LTM, KWL und weiteren Akteur*innen. Wer gute Ideen, konkrete Vorschläge und Erfahrungen aus der Praxis hat, ist herzlich eingeladen, mit uns ins Gespräch zu kommen. Wir wollen gemeinsam herausarbeiten, welche Maßnahmen wirklich helfen können und wie wir die Innenstadt zu einem lebendigen Ort für alle machen.“